Wie es war in einem Kotten zu arbeiten – 1814.

Heute machen wir eine kleine Zeitreise und gehen zurück zu den Anfängen des Unternehmens WÜSTHOF, zum Wüsthofs Kotten im Weinsbergtal.

1814 saß dort der Urahn Johann Wilhelm Wüsthof und schliff Scheren in Lohnarbeit. Ihm zur Seite stand sein Sohn Johann Abraham.

1832 beschloss dieser Johann Abraham, die einseitige Arbeit als Schleifer zu erweitern. Er wollte die Scheren mit allen Arbeitsgängen vollständig produzieren und zum Unternehmer werden. So erwarb er eine kleine Produktionsstätte auf dem Bergrücken in Höfchen bei Widdert, ein paar Kilometer vom Wüsthofs Kotten entfernt.

Hier wurden nun in einer kleinen Handschmiede die Scherenrohlinge geschmiedet. Diese brachte man anschließend zu dem alten Kotten tief unten im Weinsbergtal, wo sie an sechs bis acht Schleifsteinen geschliffen wurden. Die genaue Zahl weiß man heute nicht mehr, da der Kotten 1871 verkauft und später abgerissen wurde. Die Grundmauern sind aber heute noch zu erkennen. Die Scherenbecken (so nennt man die Scherenhälften) wurden danach wieder hinauf zum Höfchen transportiert und dort montiert und verpackt.

Den Transport übernahmen damals zumeist Lieferfrauen, die große runde Körbe, die sogenannten „Liewermangen“, über weite Strecken auf dem Kopf durch die Solinger Gegend trugen. Vollbepackte Körbe konnten bis zu 25 Kilogramm wiegen.

Im Wüsthofs Kotten war das Schleifen in mehrere Stufen unterteilt. Zuerst wurde der Rohling von der ihm anhaftenden Oxydschicht befreit. Danach folgte in mehreren Schritten das Feinschleifen – im Solinger Raum auch „Pließten“ genannt.

Der Wüsthofs Kotten wurde durch Wasserkraft aus einem aufgestauten Teich betrieben. Die Arbeitsbedingungen waren alles andere als romantisch. Der Beruf des Schleifers war hart, die Unfallgefahr groß. Denn die damals benutzten Natur-Sandsteine konnten reißen oder zerspringen und die Schleifer verletzen oder gar töten. Hinzu kam die sogenannte Schleiferkrankheit, die Silikose. Die entstand durch den immerwährenden Staub, der sich in den Lungen festsetzte und die durchschnittliche Lebenswerwartung nicht unerheblich reduzierte. Erst mit der Erfindung von Schleifsteinen aus synthetischen Materialien konnten diese Gefahren weitgehend gebannt werden.

Ein probates Mittel gegen diese frühen Unabwägbarkeiten war der Alkohol, der in großen Mengen konsumiert wurde. Die Schleifer meinten so ihr kurzes Leben verlängern zu können.

Als Johann Abraham Wüsthof 1839 starb war er 60 Jahre alt. Das war für die damalige Zeit und die damaligen Verhältnisse ein biblisches Alter. Er hatte den Grundstein gelegt für das Unternehmen WÜSTHOF, auf dem die nachfolgenden Generationen weiterbauen konnten.

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