Messerschleifer aus Solingen

Seit über einem Jahr weisen wir auf Facebook in unseren Veranstaltungstips regelmäßig auf die Aktion „Messerschleifer aus Solingen“ hin. Wurde also langsam mal Zeit, Peter und Martin Meuter und ihre transportable Schleiferei hier im Blog näher vorzustellen. Ein Interview.

Herr Meuter, wie wird man eigentlich „mobiler Messerschleifer“?
Peter Meuter: Das ergab sich mehr oder weniger durch Zufall. Nachdem ich bei meinem Vater die Lehre als Messerschleifer gemacht und mit meinem Bruder zusammen gut 20 Jahre lang als Heimarbeiter die Schleiferei in der eigenen Werkstatt betrieben habe, kam eines Tages von der Stadt Solingen eine Anfrage. Sie suchten für eine Messe einen Schleifer, um den Besuchern dort etwas besonderes zu bieten. – Die mobile Schleifmaschine wurde von der Stadt gestellt. Das habe ich gemacht und anschließend war ich einige Jahre lang immer mal wieder im Auftrag der Stadt Solingen unterwegs. Bis mich ein Marketingleiter des Einkaufsverband Deutscher Eisenwarenhändler angesprochen hat, ob ich nicht für sie mit einer mobilen Maschine „auf Tour“ durch ihre Fachgeschäfte gehen könnte. Daraufhin habe ich mir meine eigene Maschine zusammengebaut, wir haben Touren zusammengestellt und ich habe mich damit selbstständig gemacht. Das war ein ganz anderes Arbeiten als vorher im Heimbetrieb! Die Abwechslung, immer wieder verschiedene Messer zu schleifen, die Kunden direkt zu treffen und mich mit ihnen zu unterhalten … Das macht für mich den Reiz an dieser mobilen Schleifarbeit aus! 2007 kam mein Sohn Martin mit dazu.

Martin Meuter: Ich hatte vorher verschiedene andere Dinge ausprobiert, studiert, eine Ausbildung gemacht … Es hat einfach ‘ne Zeit gedauert, bis ich mich dazu entschloss, es auch mit der Schleiferei zu probieren. Dann habe ich meinen Vater erstmal ein Jahr lang begleitet, ihm bei der Arbeit zugesehen, den Kundenkontakt übernommen und das Schleifen gelernt. In den ersten Jahren, in denen ich alleine unterwegs war, musste ich ihn noch anrufen, wenn ich Kunden mit besonderen Messern vor mir stehen hatte. Nachfragen, ob das überhaupt geht, die auf der Maschine zu schärfen. Aber mittlerweile gehe ich schon ins 8. Jahr – da hab ich auch schon alles geschärft, was es so gibt.

In welchem Umkreis rund um Solingen arbeiten Sie?
Martin Meuter: Von Hamburg im Norden bis München im Süden. Wir kommen ganz schön rum. – Im Osten der Republik sind wir nur sehr selten, da wir schon seit vor dem Fall der Mauer unsere Stammkunden haben, die uns jedes Jahr wieder buchen. Im Moment kommen immer nur neue Orte hinzu, wenn einer unserer Stamm-Händler seinen Laden aufgibt und so für uns wieder Kapazitäten frei werden.

Wie viele Messer schleifen Sie geschätzt im Jahr?
Peter Meuter: Schwer zu sagen, es sind an guten Tagen ca. 60 Kunden mit höchst unterschiedlichen Stückzahlen. Der Eine bringt ein Taschenmesser, der Andere den ganzen Kochmessersatz.
Wie viel da im Jahr zusammenkommt, können wir wirklich nicht schätzen.

Haben Sie ein persönliches Lieblingsmesser, welches Sie am liebsten schärfen?
Martin Meuter: Am liebsten Gute.

Peter Meuter: Es ist leider viel billiger Mist im Umlauf. Den kriegt man zwar auch scharf – macht aber weniger Spaß.

Martin Meuter: Das Feedback bei guten Messern ist auch besser. Viele, die zum ersten Mal kommen, sind erstmal besorgt um ihre guten Stücke. Man hat ja über Messerschleifer nicht immer unbedingt das beste gehört. Es gibt da leider einige schwarze Schafe in unserer Branche, die von Tür zu Tür, bzw. von Markt zu Markt wandern und Messer verhunzen. Deshalb arbeiten wir nur in Fachgeschäften. Da ist das Vertrauen der Kunden gleich ein ganz anderes.

Peter Meuter: Wenn ich ab und zu von Kunden Messer gezeigt bekomme, die sie sich von einem fahrenden Messerschleifer haben kaputt schleifen lassen – da wären sie besser dran gewesen, wenn sie dem die Messer gar nicht erst zum Schleifen gegeben hätten. Ganz schlimm ist das manchmal.

Wie wichtig ist die Qualität des Messers dafür, dass man es – wenn es stumpf ist – wieder wirklich scharf bekommt? Kann man eigentlich jedes Messer wieder scharf bekommen?
Auch wenn es ganz stumpf ist?

Peter Meuter: Im Prinzip ja, wenn das Metall nicht völlig untauglich ist. Es muss natürlich schon eine gewisse Härte mitbringen. Es gibt aus dem asiatischen Raum hin und wieder so billige Blechmesser, die sind vom Material her zu weich, da lassen wir direkt die Finger von. Keramikmesser gehen mit unserer Ausrüstung auch nicht, da braucht man Diamantschleifmittel, aber das lohnt sich für die geringen Stückzahlen nicht. Die Qualitätsunterschiede machen sich natürlich auch beim Schärfen bemerkbar.

Martin Meuter: Das hören wir teilweise schon am Scheppern in der Tüte, wenn ein Kunde mit Billigmessern kommt. Viele kennen den Unterschied halt gar nicht.

Peter Meuter: Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich so manches davon gar nicht mehr schärfen. Aber dann ist es das Lieblingsmesser, das so gut in der Hand liegt – und man schärft es natürlich doch noch mal. Es kommt aber auch bei Kunden gut an, wenn man sagt: „Das lohnt sich nicht mehr. Kaufen Sie sich lieber ein neues.“ Diese Ehrlichkeit wissen die Leute zu schätzen.

Wie geht es in Zukunft weiter?
Peter Meuter: Im Moment betreuen wir unsere Kunden noch zu zweit. Aber ich persönlich übernehme langsam aber sicher immer weniger Aufträge. Ich werde schon bald 70. Ich möchte nicht mehr so viel Zeit mit der Arbeit verbringen, sondern mehr Zeit mit dem Wohnmobil. In Zukunft wird leider der eine oder andere Kundenauftrag auslaufen, da mein Sohn sie alleine gar nicht alle bedienen kann.

Martin Meuter: Ich mache mir ein bisschen Sorgen, dass die Leute irgendwann anfangen, sich ihre Messer für Cent-Beträge aus dem 3D Drucker auszudrucken und das dann so billig wird, dass sie ihre Messer gar nicht mehr zum Schärfen bringen.

Peter Meuter: Nee, das glaube ich nicht. Mehr als Plastikmesser zum Grillwürstchen schneiden können da nicht bei rauskommen. Da glaub ich nicht dran.

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